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Arbeitsfähig in die Zukunft

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Haus der Arbeitsfähigkeit

Das „Haus der Arbeitsfähigkeit“ spiegelt genau diejenigen Aspekte unter einem Dach, die entscheidend für den Erhalt und Ausbau der Arbeitsfähigkeit sind. Entscheidend ist, dass die vier Stockwerke in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Gleichzeitig veranschaulicht es die gegenseitige Abhängigkeit individueller, betrieblicher und gesellschaftlicher Aspekte.

Betriebliches Gesundheitsmanagement  - Das Fundament

Für den Erhalt und die Förderung der Gesundheit sowie der Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten eines Unternehmens sind Strukturen und Prozesse nötig, welche die systematische Planung und Durchführung sowie die nachhaltige Wirkung von Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung von Gesundheit, Leistungs- und Arbeitsfähigkeit ermöglichen. Aus diesem Grund bildet das Fundament des Hauses der Arbeitsfähigkeit das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM), bestehend aus den drei Säulen Arbeitsschutz, Betrieblichem Eingliederungsmanagement (BEM) und Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF). Gesetzliche Grundlagen regeln Rechte und Pflichten der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: So ist der Arbeitsschutz für beide Gruppen verpflichtend; das BEM ist für Beschäftigte freiwillig, jedoch für die Arbeitgeberin/den Arbeitgeber verpflichtend anzubieten; die BGF wird als sogenannte Kür betrachtet und kann als freiwilliges Angebot im Unternehmen, z.B. von den Krankenkassen angenommen werden.

Auf diesem Fundament baut nun das Haus der Arbeitsfähigkeit mit seinen Stockwerken auf.

 
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Abb. 1: Das „Haus der Arbeitsfähigkeit" (modifiziert nach Ilmarinen & Tempel, 2002).

 

Gesundheit - 1. Stockwerk

Die physische und psychische Gesundheit befindet sich im ersten Stockwerk des Hauses der Arbeitsfähigkeit. Als wichtige Voraussetzung für alle weiteren Stockwerke sowie die Arbeitsfähigkeit wirkt sich die Gesundheit bzw. wirken sich Einschränkungen in der Gesundheit unmittelbar auf die Arbeitsfähigkeit aus. Aus diesem Grund bietet die Erhaltung und Förderung von Gesundheit die Möglichkeit die Arbeitsfähigkeit zu fördern.
Beispielhafte Themen sind körperliche und mentale Leistungsfähigkeit, Erhalt und Förderung von Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten.

Kompetenz - 2. Stockwerk

In Anbetracht des stetigen Wandels in der Arbeitswelt wird lebenslanges Lernen immer bedeutender. Eine fortlaufende Qualifikation und Weiterbildung sowie das Erlernen neuer Kompetenzen und Fähigkeiten ermöglichen dem Menschen eine souveräne Begegnung mit den An- und Herausforderungen im Arbeitsalltag. So beeinflussen das Wissen und Können bzw. das Nicht-Wissen und Nicht-Können eines Menschen die Anforderungen und die Gestaltung seines Arbeitsalltags und somit auch seiner Arbeitsfähigkeit. Grundlage ist dafür die Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, um kompetent handeln zu können.
Beispielhafte Themen sind: Allgemeinwissen, Aus-, Fort- und Weiterbildung, Qualifikationen, Fähig- und Fertigkeiten sowie Berufserfahrung und lebenslanges Lernen.

Werte, Einstellung und Motivation - 3. Stockwerk

Für das dritte Stockwerk ist bedeutend, dass die eigenen Werte, Einstellungen und Motivationen in Einklang mit der eigenen Arbeit stehen. Diskrepanzen zwischen den persönlich geltenden und relevanten Wertvorstellungen und denen der KollegInnen oder der Führungskraft führen langfristig zur Verringerung der Arbeitsfähigkeit.
Beispielhafte Themen sind: Selbstbild, Selbstwirksamkeit, betriebliche Wertschätzung und Anerkennung erfahren, Arbeitsplatzsicherheit, Freude bei der Arbeit erleben. 

Arbeitsbedingungen & Führung - 4. Stockwerk

Das obere Stockwerk umfasst die Arbeit selbst sowie alles, was den Arbeitsplatz zu dem machen, was er ist – und ist damit das gewichtigste. Alles, was hier passiert, wirkt sich auf die unteren Stockwerke aus. Hierzu zählen bspw. das Verhältnis zu den Kolleginnen und Kollegen, die Anforderungen und die Arbeitsorganisation. Führungskräfte nehmen hier ebenfalls einen bedeutsamen Platz ein. Sie sind bspw. für die Arbeitsgestaltung verantwortlich und setzen diese durch.
Beispielhafte Themen sind: Zusammenarbeit im Team/Betrieb, Hilfsmittel, ergonomischer Arbeitsplatz, körperliche und physische Arbeitsbedingungen sowie Führungsverhalten.

persönliches Umfeld

Die Familie wird als Quelle sozialer Unterstützung und damit als externe Ressource betrachtet. Bei familiären Konflikten oder Belastungen jedoch kann die Arbeitsfähigkeit negativ beeinflusst werden. Beispielhafte Themen: Pflege von Angehörigen, Kinderbetreuung, Konflikte.

Neben der Familie können auch weitere persönliche Beziehungen zu Freunden und Nachbarn die Arbeitsfähigkeit beeinflussen.
Beispielhafte Themen: Beziehungen pflegen, Freundschaften aufbauen sowie Nachbarschaftshilfe

regionale Umgebung

Die vorhandene regionale Infrastruktur wirkt sich auf die Arbeitsfähigkeit von Personen aus und kann diese fördern bzw. beeinträchtigen.
Beispielhafte Themen: Mobilität durch Öffentlichen Personennahverkehr, die allgemeine Versorgungsstruktur für Lebensmittel, ärztliche Versorgung sowie Vereinsleben.