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Arbeitsfähig in die Zukunft

Arbeitsbewältigungsdialog (ABI-Dialog)

Nach Auswahl und Festlegung der WAI-Fragen etablierte sich das Instrument ABI-Dialog in der betriebsärztlichen Arbeit – wiederum zuerst in Finnland, dann auch im deutschsprachigen Raum. Ausschlaggebend dafür war die Prognosekraft des WAI: Schon
mit wenigen Fragen lässt sich frühzeitig erkennen, bei welchen Beschäftigten die Arbeitsfähigkeit gefährdet ist und wie dringend Präventionsmaßnahmen sind. Es zeigte sich, dass die Durchführung als Interview durch die Betriebsärztin bzw. den Betriebsarzt in mehrfacher Sicht sinnvoll ist: Ein doppeltes Abfragen von Krankheiten (im WAI und in der betriebsärztlichen Anamnese) lässt sich so vermeiden, zugleich ermöglichen die Fragen einen guten Gesprächseinstieg in den Themenkomplex ›Arbeit, Alter und Gesundheit‹. So wird aus dem Diagnoseinstrument ein Interventionsinstrument: der ABI-Dialog, der auch als WAI-Gespräch bezeichnet wird. Die Durchführung dieses Dialogs erfordert betriebsärztliche oder arbeitspsychologische Kompetenz. Wird der ABI-Dialog nicht von Medizinern durchgeführt, kommt in der Regel die WAI-Kurzversion (mit kurzer Krankheitsliste) zum
Einsatz. Zehn Jahre Erfahrung mit dem ABI-Dialog schildern die Betriebsärzte Dr. Jürgen Tempel und Dr. Jutta Schramm (2011) in einem aktuellen Artikel.
In ihrem Beitrag ›Alles einsteigen bis zur Endstation Rente!‹ geben sie einen Einblick in ihre Arbeit mit dem WAI in einem Verkehrsunternehmen. Das Interview ist in der Regel individualisierter als die schriftliche Befragung, was zugleich seine Stärke und Schwäche ist: Stärke, weil ein Eingehen auf den Befragten möglich ist und er dadurch besser für seine eigene Arbeitsfähigkeit und deren Erhalt sensibilisiert werden kann; Schwäche, weil mit diesem Eingehen eine Verringerung der Durchführungsobjektivität verbunden ist, die zu ungenaueren Ergebnissen führen kann. Für den Befragten dürften die Vorteile durch die Individualisierung des Gesprächs überwiegen. Es sind auch Gruppenauswertungen möglich, wenn die Ergebnisse aus Einzelgesprächen über längere Zeit, z. B. beim betriebsärztlichen
Dienst, gesammelt werden. Sollen Ergebnisse aus diesen Auswertungen verglichen werden (z. B. zwischen Abteilungen oder mit den Referenzdaten des WAI-Netzwerks), muss die Frage
der Durchführungsobjektivität allerdings diskutiert werden. Hilfreich zur Erhöhung der Vergleichbarkeit ist ein Interviewertraining im Vorfeld. Auch kann nachträglich mit statistischen Methoden überprüft werden, ob die Durchführung der ABI-Dialoge von Interviewer zur Interviewer systematisch abweicht.